Archive for February, 2008

TAG 41 - DER SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG

Friday, February 29th, 2008
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Das erste Motiv heute war der Wahnsinn; ein alter Shrimp-Hafen mit unzähligen vor sich hin rostenden Kuttern. Vor der Kamera entwickelte sich die Szene prächtig; unsere Clique Patty, Zuly, Carol, Lalo und RJ improvisierte großartig, das Wetter war klasse, blauster Himmel. Im Vergleich zur Natursauna im Auto von Carols Mutter gestern war es mit 40 Grad Celsius ja richtig frostig heute… auch wenn es diesmal kein bisschen Schatten gab. Wir waren erstaunlich schnell fertig, genug Zeit also, die Sonnenuntergangsszene mit Lalo und RJ am Strand zu wiederholen, weil uns gestern ja doch das Licht schneller verlassen hat als wir gucken konnten.Und dann steckte der Schlüssel im Wagen von Lalos Spielauto. Der Besitzer hatte ihn dort vergessen und dank der Automatik des Wagens hatte sich dieser selbständig abgesperrt. Mit viel roher Gewalt und einem Drahtseil aus meiner Set-Tasche ließ sich der Wagen nach zwei Stunden dann doch noch dazu überreden, sich zu öffnen. Also zackig zum Strand von Long Island und wieder dieselbe Situation; die Sonne war zu schnell weg, die Mücken haben uns aber auch in der Dunkelheit gefunden, kein Problem.

… jetzt ist erstmal a Ruh für heut. Gute Nacht.

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TAG 41 – DREH AM HAFEN

Thursday, February 28th, 2008
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Im Vergleich zum gestrigen Drehtag ging heute ja fast alles reibungslos. In der Früh dauerte es ja nur ca. 1 Stunde bis wir unser Motiv am Hafen in Port Isabel wiederfanden und wir konnten dann wirklich ein paar Szenen drehen. Dann passierte Barbara ein Missgeschick mit unserem aus Österreich teuer eingeführtem Kunstblut, indem sie ca. 2/3 davon verschüttete. Dass unser Spielauto, ein Low Rider, dann versehentlich zugesperrt wurde, wobei die Autoschlüssel IM Wagen waren, so etwas sollte ich vielleicht gar nicht mehr erwähnen. Nach 2 Stunden in der prallen Hitze und diversesten Versuchen das Auto wieder aufzubekommen, gelang es ja schließlich…

Vielleicht noch ein kurzer Nachtrag zum gestrigen Dreh: eine unserer ersten Szenen war ein „beerrun”. Für alle, die nicht wissen, was das ist: jemand stiehlt Bier und rennt dann so schnell wie möglich damit zu einem wartenden laufenden Auto. Ich sollte das Bier besorgen, konnte mir aber beim besten Willen nicht vorstellen wieviel Bier man dafür verwendet. Nach stundenlangen Diskussionen mit RJ ließ ich mich dann überzeugen und kaufte 4 Kisten und wirklich: die Jungs aus Brownsville sind so trainiert, dass jeder 2 Kisten mit je 18 großen Bierdosen mühelos entwenden kann (siehe Foto gestern)

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TAG 40 - SCHWANGERE FRAUEN UND FUSSFESSEL

Wednesday, February 27th, 2008
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Was für ein Tag! Zuerst hole ich in der Früh RJ und Lalo ab, um dann gemeinsam zum Haus unserer schwangeren Darstellerin Ana zu fahren. Obwohl beide aus Brownsville sind und ich ihnen auch noch einen Plan in die Hand gedrückt habe, brauchen wir fast 45 Minuten, um die richtige Straße zu finden, die sich eigentlich nur um die Ecke von Lalos Haus befand. Dort das nächste Drama. Unsere Schwangere ist nicht da, irgendeine Frau, die nach 10 minütigen Klopfen schließlich geöffnet hat, vermutet, dass sie bei ihrer Mutter übernachtet hat. Telefonnummer hat sie natürlich keine…
Dann der Anruf von Barbara: unser Spielauto ist nicht aufgetaucht und der Besitzer nicht erreichbar, wir brauchen ein anderes Auto. RJ, Lalo und ich fahren herum und sprechen Leute mit Autos auf der Straße an, aber alles um sonst. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, beschließe ich die Beiden einmal zum Set am Boca Chica Beach zu fahren und dann weiterzuschauen. Dann die rettende Idee: Zulys Mutter borgt uns ihr Auto, es ist zwar nicht ganz das, was Barbara sich vorgestellt hat, aber es wird funktionieren. Nur dass Zulys Mutter jetzt natürlich einen ride braucht. Ich führe sie also zurück in die Stadt, während ich parallel beim Haus von Ana anrufe. Nach 3 Stunden endlich die Erleichterung, ich erreiche sie schließlich und kann sie abholen kommen…
Ich fahre also zu ihrem Haus in Southmost und sehe 2 Männer auf der Veranda sitzen. Als ich näher komme, sehe ich, dass einer von den beiden eine elektronische Fußfessel trägt und auch sonst nicht sehr freundlich dreinblickt. Ich setzt also mein strahlenstes Lächeln auf, ignoriere die Gefahr, gehe zu ihnen hin und sage: “Hi, I’m Constanze, I’m picking up Ana, is she ready?” Und oh Wunder, während wir auf Ana warten, unterhalten wir uns über das Wetter…
Stunden später, nachdem ich glücklich die meisten Darsteller nach Brownsville zurückgeführt habe, gehts wieder an den Strand, um RJ, Lalo und Barbara von der letzten Szene am Abend abzuholen. Ich steige vielleicht 2 Minuten aus dem Auto aus und habe das Gefühl hunderte Mosquitos saugen gerade meinen Körper aus. Also wieder zurück ins Auto, dort der Schreck: schätzungsweise 30 Mosquitos sitzen auf der Decke und sind bereit zuzustechen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, wieviele kann ich töten, bevor sie sich an mir vergehen… - ich kann nur sagen, der Plafon hatte anschließend 17 Blutflecken …
Ach ja, und um den Tag noch ganz perfekt abzuschließen: unser Minivan mit dem Equipment blieb noch im Sand stecken und kam alleine nicht mehr heraus und die Bordercontrol hielt uns zwar an, fand aber die Drogen, die Einige bei sich hatten, zum Glück nicht…

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Tag 40 - 4. DREHTAG: GEBURT BEI 50 GRAD

Tuesday, February 26th, 2008
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Augen zu und durch. Ich habe einen Magen-Darm-Virus, muss stundenlang in einem Auto bei mindestens 50 Grad drehen, mit Scheiben hoch und Klimaanlage aus, und meine schwangere Darstellerin hechelt mit mir im Duett durch die Wüste, weil zu zweit hecheln vor der Kamera weniger peinlich ist (Szene: Baby kriegen). Dazwischen muss ich Probleme lösen wie:

- Wo ist die nächste Toilette.
- Meine Darsteller sind verschwunden.
- Der Typ, der uns sein Auto borgen wollte, ist wie vom Erdboden verschluckt.
- Das schnell aufgetriebene Ersatzauto springt nicht an.

Dazwischen pumpe ich mich mit Medikamenten voll, damit sich mein Darminhalt nicht verselbstständigt. Was soll ich sagen… ich bin am Ende. Es kann nicht schlimmer werden. Nein, das kann es nicht.

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Tag 39 - DREHFREI: SCHWARZE MAGIE

Tuesday, February 26th, 2008
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Irgendwas stimmt mit mir nicht. Fühl mich total matt, hab Kopfweh und das schon seit zwei Tagen. Wir haben heute zwar drehfrei, aber es gibt so viel zu tun, dass ich nicht mal dran denken brauch, Pause zu machen. Vor allem fehlt noch eine wichtige Location, die wir schon bald brauchen: Zinnias Haus. Es sollte ein Haus einer konservativen mexikanischen Familie sein. Vollgestopft mit Heiligenfiguren, Couchen mit Plastiküberzügen, und überall kitschiger Klimbim. Wir haben schon so viel gesucht, aber niemand will uns in seinem Häuschen filmen lassen, und ich weiß nicht mehr, wo ich noch nach dem Häuschen suchen soll. Also wende ich mich an die mexikanische Putzfrau im Hotel. Und siehe da, sie wusste ein Haus, das passen könnte. In diesem Moment wird mir leicht schwindlig. Irgendwas stimmt mit mir nicht. Ich habe heiß-kalte Schauer und mir ist leicht übel, aber ich darf jetzt nicht schlappmachen. Also denk ich nicht länger drüber nach und fahre mit Haake und der Putzfrau zu dem Haus.

Dort erwartet uns eine ältere Frau, die uns gleich mal ihre Lebensgeschichte auftischt. Sie habe Krebs und bekämpfe es mit schwarzer Magie. Und ja, jetzt fallen mir auch die ganzen Totenschädel im Haus auf und die Skelett-Heiligenfiguren und…. in diesem Moment rumort es in meinem Magen, mir wird schwindelig und schlagartig schwarz vor den Augen. Ich setze mich so schnell es geht auf einen Sessel, damit ich nicht ohnmächtig werde. In diesem Augenblick fragt mich der Sohn der Familie, worum es in dem Film geht. Ich kann nicht antworten, murmle aber noch schnell Haake zu, er möge darauf antworten. Haake schaut mich angepisst an, weil er findet, dass das nicht zu seinem Job gehört und ich das machen soll. Wenn Haake nur wüsste, was grad in mir vorgeht. Nun ja, er hat es bald gemerkt. Denn ein paar Sekunden später saß ich schon auf der Toilette und entleerte lautstark sämtlichen Inhalt meines Darms. Tja, jetzt ist es offiziell: Ich habe Dünnpfiff und wahrscheinlich einen Virus eingefangen. Ganz toll. Die nette Dame des Hauses gab mir danach irgendwelche Mittelchen. Mir war in diesem Moment alles egal und ich nahm das seltsame pinke Zeug ein. Nach einer Weile wurde es besser und ich konnte der Familie auch über unseren Film erzählen. Haake hatte es ja bis dahin nicht geschafft.

Das Resumee unseres Ausflugs: Die Location ist nicht ganz das, was wir gesucht haben, aber eine mögliche Option, wenn man die Totenschädel mit Heiligenfiguren austauscht. Außerdem: Ich brauche gute Medikamente, sonst übersteh ich den morgigen Drehtag nicht.

Tag 38 - 3. DREHTAG: ERSTER LICHT-GROSSEINSATZ

Sunday, February 24th, 2008
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Heute erster Großeinsatz für unser gesamtes Lichtequipment, also dem was halt so in einen Minivan passt. 3 Kinoflos ein paar 300W-Lampen, ein China-Ball mit Glühbirne, eine 1200W HMI uns eine 575er, das muss reichen. Da die Kamera mit P+S Adapter nicht besonders lichtstark ist, stoßen wir an unsere Grenzen. Andi war großartig beim Lichtaufbau. Mir wird Angst und Bange, wenn ich an die Nächte denke, die noch vor uns liegen… es liegen ja noch ganz andere Gärten zum Ausleuchten vor uns, nachdem wir sie erstmal gefunden haben. Heute funktionierte jedenfalls alles.

Barbara war doch recht nervös heute, erst keine Gang und dann zwei, die sich untereinander nur beim Filmemachen verstehen. Gott sei Dank hält Fuego die Gruppen unter Kontrolle. Alles eine Frage von „Respect“, den er sich in den Jahren zuvor hart erkämpft hat. Zudem standen wir unter ziemlichem Zeitdruck, weil einmal die Konzentrationsspanne der jungen Leute echt kurz ist und des Weiteren noch eine Party auf dem Programm stand. Wir hatten also etwa 2einhalb Stunden Zeit. Unsere Entscheidung für eine dokumentarisch geführte Handkamera scheint die richtige für den Film zu sein. Nur so sind schnelle Motivwechsel möglich und geben Zeit zum Beobachten, wenn Barbara sie einem lässt.

Mich wundert, wie offen die Leute vor der Kamera mit Drogen umgehen, Kamerascheu bemerke ich gar keine. Ich glaube, sie wollen einen Film machen, der sie in ihrer eigenen Welt zeigt. Luis hielt sich tapfer. Er lebt in einer so ganz anderen Welt als die Gang-Leute. Selbst als die halb improvisierte Szene völlig außer Kontrolle gerät und eine Packung Kekse unter lautem Jubel der Leute drumherum krümelig auf ihn niederprasselt.

Barbaras Geschick zu verdanken, kommen wir an die Bilder, wie das Drehbuch sie verlangt.

TAG 38 - 3. DREHTAG: AUSSER KONTROLLE: LUIS MIT MESSER BEDROHT!

Sunday, February 24th, 2008
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Folgende Szene stand heute an: Ricky, der Nerd, gerät ins Haus der Gang und wird dort von den Jungs mit Drogen vollgepumpt. Alles sollte dokumentarisch ablaufen. Luis (=Ricky) wusste nicht wirklich, was ihn erwarten sollte, wollte sich aber darauf einlassen. Ich hatte alles mit Fuego, Triste und der Gang abgesprochen, damit nichts außer Kontrolle gerät. Dann aber die Schreckensmeldung: Triste und seine Jungs kommen nicht. Sie waren am Vorabend in einen Kampf geraten und Triste ziemlich übel zugerichtet worden. Fuego versuchte, eine andere Gang aufzutreiben und ein weiterer Freund, Saint, versuchte ebenfalls seine Leute zu organisieren. So geschah es, dass ich plötzlich zwei andere Gangs vorort hatte. Leider aus zwei verschiedenen Vierteln. Im Klartext: 2 rivalisierende Gangs. Fuego meinte, er habe alles unter Kontrolle und sie würden sich auch nicht gegenseitig die Schädel einschlagen. Ich wusste nicht genau, was ich davon halten soll und wandte mich an Constanze, die gerade vorm Haus Drogen von Jesús kaufte, weil wir diese für die Ausstattung brauchen. Wer Constanze kennt, weiß, wie absurd das ist. Aber noch absurder war es, als sie Jesús um eine Rechnung für die Drogen bat. Mit Mehrwertsteuer natürlich. Schließlich muss sie alle Ankäufe für die Abrechnung am Ende belegen. Ich wollte sie in ihrer Diskussion nicht unterbrechen und ging wieder zurück zu den Gangs. Die Jungs hatten sich bereits mit ihren eigenen mitgebrachten Drogen versorgt und ich wusste, wir mussten nun loslegen. Also brachte ich Luis (Ricky) unter die Gangs und wir begannen zu filmen. Anfangs war alles easy und die Szene entwickelte sich sehr gut. Doch zunehmend wurden die Jungs wilder und ich konnte kaum noch durchgreifen. Als einer der Jungs plötzlich ein Messer zog und Luis damit bedrohte, brach ich ab. Luis blieb angesichts der Umstände unglaublich cool und willigte ein, die Sache zu Ende zu bringen. Fuego war bereits vollkommen stoned, doch Saint bewahrte einen kühlen Kopf und auch Robert, einer der Jungs, und Saint brachten wieder Kontrolle unter die Sache. Am Ende schafften wir die Szene und ich muss sagen: Wahnsinn! Eine der besten Szenen, for sure.

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TAG 37 - 2. DREHTAG: KATASTROPHE: WIRD AIMEE AUFGEBEN?

Saturday, February 23rd, 2008
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Eines vorweg: Ich fühle mich furchtbar. Hab mir, glaub ich irgend einen Virus eingefangen. Mein Schädel brummt und der heutige Drehort trägt nicht gerade zu besserem bei. Aber: Da muss ich durch. Wir drehen in einer Tortilla-Factory. Die Temperaturen übersteigen den Wahnsinn des gestrigen Drehorts. Nur Kakerlaken gibt’s keine. Gott sei Dank. Das Team ist wieder klitschnass. Ich kann nicht mehr ausmachen, ob es an der Hitze in der factory liegt oder am dunstigen Regen draußen. Wir drehen eine Verfolgungsjagd mit Triste’s Gang aus Southmost und RJ und Fuego. Selten war eine Verfolgungsjagd so realistisch. Nun ja, die Jungs wissen, was sie tun. Schließlich gehört Gewalt zu ihrem Alltag.

Danach folgte eine Szene mit Aimee, dem rich girl, und RJ als Gangjunge, den sie in der Geschichte in ihrem Auto mitnimmt. Um Aimee in Stimmung zu kriegen, ignoriere ich sie den gesamten Abend, spreche ausschließlich mit RJ und werfe ihr lediglich herablassende Blicke zu. Ich merke, wie Aimee immer mehr verfällt. Sie ist so weit. An der Motorhaube wird die Kamera angebracht, man sieht nicht gut an ihr vorbei, gut genug allerdings zum Fahren. Ich tropfe Aimee noch ein Mittel in die Augen, das sie zum Weinen bringt, und die Szene kann beginnen. Aimee’s Stimmung während des Spiels ist unglaublich gut. Sie heult sich die Seele aus dem Leib, wirkt unglaublich nah, gibt alles. Und trotzdem wird alles zur Katastrophe: Irgend etwas an der Kamera stimmt nicht, das Rigg wackelt, und dann beginnt es auch noch zu regnen, wodurch Haake völlig ausflippt weil er um seine Kamera fürchtet. Aimee verträgt das Mittel in ihren Augen nicht, kann kaum mehr ihre Lider öffnen und fährt schon fast blind den Highway runter. Um 2 Uhr früh müssen wir abbrechen, da wir das Problem mit der Technik nicht hinkriegen u. der Regen nicht aufhört und Aimee sichtlich am Ende ist. Aimee tut mir total leid: Der erster Dreh in ihrem Leben: Von der Regisseurin wurde sie stundenlang ignoriert, ihre Augen schmerzen wie nie zuvor, sie hat gekämpft und alles gegeben,…und am Ende: no result. Ich rechne ihr das hoch an und hoffe, sie gibt nicht auf. Denn am Ende sah es fast danach aus, als würde sie keinen weiteren Drehtag mitmachen.

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Tag 36 - IHR WOLLT DAS EQUIPMENT? NEHMT ES!

Friday, February 22nd, 2008
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Endlich: der erste Drehtag. Ich bin den ganzen Tag unterwegs um Sachen zu checken, Darsteller abzuholen und Zigaretten für mein Team zu besorgen… Am frühen Nachmittag hatte ich endlich alles erledigt und konnte an unserem Drehort bleiben. Hatte ich vorher noch über die Hitze im Auto gejammert, dachte ich jetzt, ich breche gleich zusammen. Im Haus hatte es eine unerträgliche Hitze und eine Luftfeuchtigkeit von 100%, die einem die Luft zum Atmen nahm. Von den Kakerlaken ganz zu schweigen. Da es sowieso eng am Set war und ein Teil unseres Equipments vor dem Haus auf der Straße lagerte (ein Horror bezüglich Versicherung), machte es Sinn, dass ich mich nach draußen begab, um es zu bewachen. Zuerst erleichtert von ca. 40° in ca. 35° im Schatten zu kommen, bereute ich meinen Entschluß ziemlich schnell. Die Filmcommission hatte uns von Anfang davor gewarnt in Southmost zu drehen und hatte vorsorglich die zuständige Polizeistation informiert, dass wir uns dort aufhielten. Weiters riefen sie 1 Mal pro Stunde bei mir an, um zu sehen, ob wir noch leben. Obwohl ich wusste, dass Southmost nicht die beste Gegend in Brownsville ist, fand ich ihre Vorsicht doch etwas übertrieben.

Ich saß also auf unserem Equipment ohne etwas Böses zu denken, als ich bemerke, dass sich plötzlich mit zunehmender Dunkelheit offensichtlich die gesamte Neighbourhood um mich herumversammelt. Ich hatte plötzlich das Gefühl in einem MTV Video gelandet zu sein, überall Gangster mit Bandanas, Dickies, Muscleshirts und Rosenkränzen. Während sie beginnen sich einzurauchen und einige ihre Waffen herausholen, werde ich nicht aus den Augen gelassen. „Schau sie nicht an” - dieser Gedanke schießt mir in den Kopf und ich erinnere mich, was RJ mir erzählt hat. Ein falscher Blick könnte sofort als „disrespect” interpretiert werden und ich will nicht wissen, was dann mit mir passiert. Ich senke also den Kopf, bemerke aber ganz genau wie sie über mich reden. Ich beschließe im Haus nachzufragen, wie lange wir denn noch drehen, da ich mich in meiner Haut ganz und gar nicht wohlfühle. Doch obwohl das ganze Team auf Hochdruck arbeitet, ist der Drehschluß leider noch in einiger Entfernung. Ich also wieder zurück vors Haus, fieberhaft überlegend, was ich tun soll, wenn jemand sich dem Equipment nähert. Um kein Geld der Welt würde ich es verteidigen, wenn sie es wollen, sollen sie es nehmen…
Naja, was soll ich sagen. Eine Stunde später nach 17 Stunden Dreh war das Equipment meine kleinste Sorge, jetzt hatte ich das Problem meinem völlig übermüdetem Team beizubringen, dass wir noch ein Musikvideo drehen würden. Irgendwie hatten meine Gangster herausgefunden, dass ich der Produzent des Films bin und diese Gelegenheit wollte genützt werden. Und ich kann nur eines sagen: DANKE DANKE DANKE für einen aufregenden ersten Drehtag und unvergesslichen Musikvideodreh!!! Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft!

for more of D.S.T.G.
www.myspace.com/topdstg

Tag 36 - 1. DREHTAG: 18 STUNDEN NONSTOP

Friday, February 22nd, 2008
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Drehort: Triste’s Haus.

Der erste Drehtag war Hardcore! Am Drehort hatte es mindestens 40 Grad, zudem heizten wir die Räume durch unsere Scheinwerfer noch zusätzlich auf. Die Luft konnte man schneiden. Unsere Körper klatschnass. Und überall Kakerlaken, wo man nur hinsah oder hinfasste. Und trotzdem: Das Team arbeitete wie verrückt. Eine Einstellung nach der nächsten, RJ hochprofessionell im Schauspiel, als hätte er nie etwas anderes in seinem Leben gemacht.

Trotzdem: Hitze, Kakerlaken und das Pensum für den ersten Drehtag machten uns zu schaffen. Nach 10 Stunden Dreh war das Team schon halb am kollabieren. Aber: Es musste weitergehen. Constanze war vor dem Haus positioniert, um das Equipment zu bewachen. Als es schön langsam dunkel wurde, begann sie ständig ins Haus zu kommen und zu fragen, wie lange wir denn noch drehen. Mir ging das voll auf den Wecker, weil sie doch sah, dass wir superschnell arbeiteten. Nach etwa 17 Stunden Dreh waren wir so weit, die letzte Einstellung zu drehen, welche vor dem Haus stattfinden sollte. Also packten wir das Equipment und traten vors Haus. Und da wurde mir klar, weshalb Constanze so nervös gewesen war: Vor dem Haus hatten sich um die fünfzig Leute versammelt, in Dickies, Tanktops, mit Bandanas und Tatoos, Hunden, …. und mittendrin die verängstigte Constanze. Da kam aber auch schon Triste angetanzt und erklärte, er hätte seine Leute aus der Neighborhood organisiert. Wenn schon Kameras vor seinem Haus sind, wollte er die Chance nutzen und noch schnell ein Musikvideo drehen. Puh…bereits 17 Stunden gedreht. Nun ja, egal, dann wurden es halt 18 Stunden. Und um ehrlich zu sein: Das war es wert.

Ach ja noch was: Danke RJ. 18 Stunden am ersten Drehtag bei solchen Temperaturen und trotzdem kein Murren und Mucken und hochprofessionelles Arbeiten. Ich verneige mich.

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