Archive for May, 2008

Tag 90: WAFFEN IM GRAS UND CRACK IM BADEZIMMER

Wednesday, May 28th, 2008
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Brownsville ist noch immer für Überraschungen gut. Ich sammle bereits Material für einen potentiellen nächsten Film und begab mich daher auf Recherche mit Triste. Überraschender Moment 1: wir stehen vor einer Graffiti Wall und Triste erzählt mir wie verrückt es manchmal zugeht, als sein Telefon läutet und er zum Telefonieren ein paar Schritte weiter ins Gras geht. Als er fertig ist, ruft er mich zu sich, da läge einfach eine Waffe im Gras, das solle ich filmen. Nicht dass jemand glaubt, er erfinde so etwas nur…

Überraschender Moment 2: wir kommen zu einem Haus, wo es angeblich voll abgeht. Da müssen wir durch das Badezimmerfenster hineinfilmen… Da man aber nichts genaues erkennen kann, gehen wir dann schließlich doch hinein. Irgendein Typ lotst mich zum Badezimmer, wo sich 3 Leute Crack durch eine Dose geben. Das müsse ich filmen, damit die Welt erfährt, wie es in Brownsville wirklich zugeht… Wirklich verrückt. Wie gesagt, jetzt bin ich schon fast drei Monate hier, aber es gibt immer noch Situationen, die mich überraschen.

Tag 89: DIRTY AL’S

Tuesday, May 27th, 2008
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Ach, war das gut heute. Bin von der Filmcommission zu Dirty Al’s auf South Padre Island eingeladen worden und hab mir den Bauch mit Shrimps vollgeschlagen. Was für ein Festessen im Vergleich zu den letzten Wochen, wo es nur Sandwiches gab. Ja, ja Barbara, ich weiß du wirst neidisch, aber da kann ich leider nichts machen :-)

Tag 88: DER SCHOCK MEINES LEBENS

Monday, May 26th, 2008
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Als ich die Nachricht bekommen habe, dass unser Raid System voraussichtlich zerstört ist, blieb mein Herz für einen Augenblick stehen. Erst als ich sicherstellte, dass meine Festplatte tief unten in meinem Koffer verstaut ist und sie funktionstüchtig ist, ging es mir wieder besser. Eigentlich ist das Raid System ein Backup für sich selbst und wir wollten das Material gar nicht noch einmal kopieren. Die Entscheidung noch eine Festplatte zu kaufen fiel erst letzte Woche (kann sich irgendwer vorstellen wie schwierig es war in Brownsville eine Lacie Festplatte zu kaufen, wenn amerikanische Online-Stores keine europäische Kreditkarten akzeptieren? Und da fragt man sich, was ich den ganzen Tag gemacht habe…) Aber wie gesagt, Material noch vorhanden, wahrscheinlich werde ich die Platte jetzt unter meinem Kopfkissen lagern, damit ihr ja nichts passiert.

Tag 88: IST UNSER FILMMATERIAL VERNICHTET???

Monday, May 26th, 2008
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Tja, kaum angekommen in Wien folgte der ultimative Erschöpfungszustand in Form von unendlich tiefem Schlaf. Dieser Schlaf sollte sich über einige Tage ziehen, hätte da nicht eine kurze Unterbrechung stattgefunden, in Form eines Anrufes von Haake:

Ob ich denn wisse, was passiert sei. Ich halte kurz inne, da rückt Haake schon mit der Schreckensmeldung raus: Es ist was mit unserem Raid passiert. Blitzschnell war ich munter. Nur kurz zur Erklärung: Raid bedeutet so was wie Festplatte, auf dem all unsere Filmaufnahmen gespeichert sind. Kein Raid heißt kein Film, keine Szenen, nichts. Raid zerstört bedeutet also so viel wie „Der ganze Dreh war für die Katz“. In etwa so, als hätte man keinen Film oder keine Kassette in die Kamera gegeben.

Nun ja. Mir stockt der Atem, da erklärt Haake auch schon, was passiert ist: Das Raid wurde am Flughafen von Paris nach Wien abgenommen und kam in Wien am Gepäckband wieder raus – ähm – Beschädigt raus. Da ich einen anderen Flug hatte, hab ich die Sache nicht mitbekommen. Aber das ist ja noch nicht alles. Haake, in seiner Panik, nimmt dann das Raid mit zu sich nach Hause und will gleich ausprobieren, ob das Raid noch in Ordnung ist. Er steckt es an und vergisst dabei, die Netzspannung umzustellen. Die Folge: Ein Rauchwölkchen über dem Raid und aus. Wir haben nun keine Ahnung, ob das Material noch in Ordnung oder zu retten ist. Haake meint, wir müssen es zur Reparatur bringen und dann werden wir ja sehen. Tja, und so bleibt uns nichts anderes über, als zu warten. So viel zur Lage: An Schlaf brauch ich gar nicht mehr denken.

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Tag 87: UND WEITER GEHTS

Sunday, May 25th, 2008
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Wer denkt, jetzt wo das Team abgereist ist, ist Faulenzen angesagt, der irrt. Es warten 5 große Kisten mit Requisiten auf ihre Rückgabe und 40 Releaseforms auf ihre Unterschrift. Bezüglich der Requisiten ist Amerika fantastisch. So habe ich alle Gläser und Teller, die ich für die Partyszene gekauft habe, schön säuberlich gewaschen und wieder in die Kisten gepackt. Morgen werden sie zu Walmart zurückgebracht und ich bekomme das Geld zurück. In Österreich ist das nur unter schwierigsten Bedingungen und Lügenmärchen möglich. Dafür liebe ich Amerika wirklich.Bei den Releaseforms sieht die Lage leider etwas anders aus, das wird ein mühseliges Herumtelefonieren und Abfahren der ganzen Stadt. Aber was solls, hab ja noch 6 volle Tage…

Tag 86: DIE ABREISE

Friday, May 16th, 2008
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Diesmal ernsthaft: der schlimmste Tag meines Lebens. Nachdem ich nach 3 Stunden Schlaf um 7 wieder aufstehen und den Vertrag fürs Mietauto in Harlingen verlängern musste, fuhr ich ins Hotel zurück, um Gaile und Barbara zwecks Fahrt zum Flughafen abzuholen.

Als ich gegen 10 wieder ins Hotelzimmer zurückkam (das ich um 11 räumen sollte), traf mich der Schlag. Nicht nur, dass die beiden kein bisschen aufgeräumt hatten, wie sie es versprochen hatten, das ganze Apartment war komplett durchwühlt, überall lag Müll herum und auch der Kaffee auf der Herdplatte war noch am Brutzeln…. Nach einem kurzen Zusammenbruch, checkte ich erst einmal den Schlüssel zu meinem neuen Zimmer, zum Glück nur eine Tür weiter entfernt. Dann großes Sortieren. Zuerst schleppte ich meine eigenen Sachen hinüber (2 Koffer), dann sämtliche Requisiten, die noch zurückgegeben werden müssen (5 große Kisten), dann Lebensmittel – und hier der nächste Schock: das neue Zimmer hatte keinen Kühlschrank. Also wieder zur Rezeption und anderes Zimmer verlangen, diesmal 3 Türen entfernt. Mittlerweile war es 14:00 und ich einem kompletten Zusammenbruch nahe. Zum Glück rief dann RJ an, der mir beim Aufräumen helfen wollte.

Mit vereinten Kräften waren wir 4 Stunden später mit Übersiedelung und Putzen fertig (RJ ließ sich sogar zum Geschirrwaschen überreden, ich weiß zwar, dass eh eine Putzfrau zum Putzen kommt, aber der hinterlassene Dreck war mir so peinlich, ich hätte niemandem aus dem Hotel mehr in die Augen schauen können…) Jedenfalls kann ich gar nicht beschreiben, wie wütend ich war. Nicht nur, dass mein liebes Team einen absoluten Saustall zurückgelassen hatten, so haben sie auch diverses Geschirr, Unterwäsche, Lautsprecherboxen, einen Laptop, eine Kaffeemaschine und ähnliches vergessen. Und so wird es auch vermutlich bleiben, da ich keine Ahnung habe, wie ich all diese Sachen alleine nach Hause transportieren soll. Selber Schuld kann ich nur sagen.

Tag 86: EINE ANDERE WELT

Friday, May 16th, 2008
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Als wir gestern Brownsville verließen, war das für Andi und mich ein sehr komischer Moment. Es blieb kaum noch Zeit, sich von den vielen lieben Menschen, denen wir begegneten, zu verabschieden. Die letzten beiden Monate haben so viele Eindrücke und Erlebnisse in unseren Köpfen hinterlassen, Höhen und Tiefen, wie man sie selten erlebt.

Schon dunkel war es, als wir Austin erreichten, im Verhältnis zu Brownsville eine Großstadt, die mit imposanten Hochhäusern downtown aufwartet, mehr konnten wir nicht sehen. Wie unsere Zeit in Brownsville zog die Innenstadt im Zeitraffer an uns vorbei. Angekommen im Red Roof Inn blieb noch Zeit für zwei Bier, dann etwas Schlaf und morgens um sieben war Aufbruch zum Lichtverleih. Wir waren zu früh und so blieb uns etwas Zeit, die Straße davor zu beobachten. Obwohl nur 600 Kilometer zwischen den beiden Städten liegen, macht Austin einen ganz anderen Eindruck; wenige Mexikaner, dafür ein großer Einfluss der schwarzen Bevölkerung. Aber im Prinzip Armut im Außenbezirk hier wie dort.

Equipment zurück und zurück auf die Autobahn, nun Richtung Hewston Flughafen. Der Countdown bis zum Abflug läuft. Auf dem Weg erstaunlich viele deutsche Ortsnamen: Schertz, Luling, Waelder, Schulenburg oder Weimar.

Für alle, die mal von Austin nach Hewston zum Flughafen müssen; nicht direkt zum ersten fahren! Das ist der falsche und der ist sehr klein, wie wir gesehen haben und kostet eine halbe Stunde Fahrtzeit. Hewston ist noch viel größer als Austin und hat dreistöckige Autobahnen, das ist unglaublich! Mehr haben wir nicht gesehen. Der Stau in den wir dann gerieten kostete nochmals richtig Nerven, die Zeit lief. Angekommen, mussten wir noch den Wagen zurückbringen, der bei unserer Abholung brandneu war und nun doch schon sehr gealtert schien; Gott sei Dank problemlos. Gerade noch rechtzeitig waren wir beim CheckIn und Zeit für den Kauf einer Stange Zigaretten war auch noch.

Das Wiedersehen von Barbara und Gaile war der Beweis, dass zeitlich doch noch immer alles passt, wie auch schon bei den gesamten Dreharbeiten, bei denen so oft das Gefühl dominierte, dass am nächsten Tag die Welle über unseren Köpfen zusammenfällt oder das letzte Rosshaar des Damoklesschwertes reißt… aber es hält doch.

… und nun zurück in die alte Welt.

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Tag 85: DER TAG DANACH

Thursday, May 15th, 2008
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Gestern war letzter Drehtag und wir haben uns am Abend im Whirlpool betrunken. Heute war schon wieder Aus fürs Feiern, da die Arbeit ruft. Soll heißen: Abschlussfeier und Geburtstagsfeier für Barbara organisieren. Da auch sonst noch viel zu tun war, war also noch nichts vorbereitet, als die ersten kamen, weswegen unsere Hauptdarsteller (die männlichen!!) das Kochen übernahmen. Schmeckte dann auch ganz vorzüglich, Kompliment an Carlos. Nach Geburtstagsständchen und Tres-Leches-Kuchen gings an große Abschiednehmen. Zumindest für die Anderen, da ich noch eine Woche für diverseste Arbeiten zurückbleibe.

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TAG 84 – 43. UND LETZTER DREHTAG: OHNE WORTE…

Wednesday, May 14th, 2008
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Ich glaube es kaum, aber wir haben es geschafft. Nach 10 Stunden Dreh packen wir gerade unsere Kisten mit dem Equipment, welches morgen von der Spedition abgeholt werden und zurück nach Österreich gehen sollen. Andi und Haake werden morgen nach Austin fahren, dort die gemieteten Stative abgeben und dann von Houston aus ebenfalls nach Hause fliegen. Aber um ehrlich zu sein, ich fass es noch gar nicht, alles erscheint so unwirklich. Hoffentlich sind die Kisten bald fertig, damit wir zum Whirlpool gehen und endlich feiern können, dass wir 43 Drehtage überlebt haben. Wie gesagt, völlig unfassbar.

Packed car

Tag 84 - 43. DREHTAG: DER LETZTE DREHTAG

Wednesday, May 14th, 2008
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Was macht man, wenn man am letzten Drehtag eine Schulchor-Szene in einem Klassenraum zu drehen hat und weder Schulchor noch Klassenraum vorhanden sind? Nun ja, Constanze hat sich an die Kirche gewenddt und mir einen Raum mit Bibel-Frescos und 15 College-Christen verschafft. Aus den 15 Leuten einen Chor zu machen war dann mein Job.

Nach einer Stunde hatte ich sie soweit, einen Kanon hinzukriegen, nämlich “Row your boat”. Keine Ahnung, wie ich auf dieses Lied gekommen bin. Aber irgendwie hat ja alles recht gut geklappt. Und so kam es, dass wir mit “Row your boat” unser letztes Bild gedreht hatten. Haake sah mich an. Andi sah mich an. Gaile sah mich an. (Constanze war grad draußen, aber hätte mich sicher auch angesehen.) Und sie alle warteten auf die magischen Worte. Und deshalb werde ich sie jetzt in die ganze Welt rausschreien:

DREEEEEEEEEEEHHHHHHHHSCHLUUUUUUUUUUUUUUUSSSSSSSSSSS!!!!!!!